Mittwoch, 30. März 2011

Sturm

Seit einigen Wochen beginnt hier so langsam die Regenzeit. Eigentlich etwas zu früh, aber man kann das Wetter ja schlecht ändern :-). Zu Beginn hat es nur 2 mal in der Woche geregnet, aber was die letzte Woche hier abging war schon erschreckend. Montag hat es sich um 12.30 Uhr schlagartig zugezogen und verdunkelt. Albert van Ghalen sagte noch zu mir: „Na mal schauen wann es anfängt zu regnen“. Und keine Minute später fing es dann auch an. Halbwegs trocken habe ich noch das Volunteershaus erreicht. Was dann folgte war unglaublich. Die Wassermassen strömten nur so vom Himmel- wie eine Wand. Es kam ein richtiger Sturm auf. Die Bäume und Palmen konnten dem nicht standhalten und ich konnte leider zusehen, wie sie zum Teil kommplett zerstört worden sind. Alles flog durch die Luft und wurde aufgewirbelt. Die Elektrizität viel natürlich aus und es war schon beängstigend so alleine im Dunkeln bei der erschreckenden Geräuschkulisse von draußen. Um 13.30 Uhr hätte ich wieder anfangen müssen zu arbeiten, aber es hat immer noch geregnet (wie ihr ja wisst fällt dann die Arbeit aus). Nach draußen gewagt habe ich mich um 14.30 Uhr. Ihr könnt euch ungefähr vorstellen wie es draußen aussah. In PCC konnten zum Glück alle Häuser dem Sturm standhalten und niemand wurde verletzt. Aber in der Stadt sah das ganz anders aus. Es gab viele Verletzte und manche Häuser wurden komplett zerstört. Dächer sind durch die Luft
geschleudert worden usw. Die Krankenhauskriche und auch die Leichenhalle konnten zum Teil dem ganzen nicht standhalten. 

In PCC folgte das große aufräumen. So ziemlich jeder hat mit angepackt: Bäume und Palmen mussten gefällt werden, alle Äste eingesammelt werden und natürlich musste alles gefegt werden. Meine Workshopkids waren klasse. Sie haben wirklich richtig toll geholfen und hatten auch noch Spaß dabei! Alles konnte repariert werden bis auf das Stromnetz. Bis Freitag morgen hatte wir keinen Strom und somit auch kein Wasser. Zum Glück gibt es einen Generator, der morgens und abends für je 2 Stunden angestellt worden ist. In der Zeit gab es dann auch fließend Wasser :-). Seit Freitag morgen haben wir wieder Elektrizität und es ist wirklich toll!
Das Wetter hat aber noch die ganze Wocher verrückt gespielt. Nachts hat es immer heftigst geregnet und auch Wind kam immer wieder auf. Der Regen ist typisch für die Regenzeit, aber der heftige Wind dazu ist eher untypisch.

Ich bin froh, dass niemand in PCC verletzt worden ist!

Neue Kinder


Wir haben 3 neue Kinder in PCC. 2 davon sind Jugendlich und arbeiten im Workshop.

Bridget ist ca. 19 Jahre alt und kommt von der benachbarten Shalom Spezial School. Klasse ist, dass sie wirklich gutes Englisch sprechen und verstehen kann und somit die Komunikation keine Hürde darstellt. Sie ist clever, selbständig und kreativ und mit ihr kann ich auch an schwierigen Ketten, Armbändern oder Schlüsselanhängern arbeiten. Das größere Hindernis für sie ist  mehr ihre körperliche Beeinträchtigung. Die Koordination der oberen Extremität ist eingeschränkt. Bridget hat sich sehr, sehr schnell in die Struktur von PCC eingefunden. Ihr Glück war auch, dass sie auf die selbe Schule geht wie die anderen Kinder von PCC und sie sich somit schon kannten. Bridget war von anfang an integriert und akzeptiert.

Das 2. Kind ist Quwaku. Er kommt aus einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von Nkoranza. Sein Vater hat ihn zu uns gebracht und angefragt, ob er nicht bei uns arbeiten könnte. Quwaku ist vielleicht 13 Jahre alt und er hatte es deutlich schwerer als Bridget hier in PCC Fuß zu fassen. Er kannte wirklich niemanden und wurde zudem noch von seinem zuhause weggebracht. Für ihn war alles neu im Workshop: die Nadel, der Faden, die Schere, die Zange, die Perlen.... Die Workshopcaregiver hatten dafür kein Verständnis und haben leider nicht positiv auf ihn reagiert. Er wurde gehänzelt und als „aussetziger behandelt“. Nach 2 Tagen hat es mir gereicht und zusammen mit Paul haben wir ein Meeting abgehalten. Wir haben über Quwaku gesprochen, ihn in unserer Runde willkommen geheißen und den Umgang mit ihm besprochen. Nach dem Meeting habe ich wirklich gemerk das es bei den Caregivern „klick“ gemacht hat und sie jetzt deutlich mehr Verständnis für Quwaku haben. Quwaku kann kaum sprechen und englisch verstehen kann er auch nicht oder kaum. Trotzdem verstehen wir uns sehr gut und ich finde es schön, dass er bei uns im Workshop ist. Er ist jetzt seit dem 17.01. in PCC zuhause und hat nun auch Freunde gefunden!


Das 3. Kind ist Eddie. Sein Onkel hat ihn zu uns gebracht. Albert und Jeanette van Ghalen hatten mehrere Gespräche mit dem Onkel und am Ende war klar, dass Eddie erstmal für 4 Monate mit uns leben wird und danach nochmal neu „verhandelt“ wird. Eddie ist ca. 4 Jahre alt und hat eine geistige Behinderung. Bis jetzt kann er nicht sprechen und auch Twi verstehen fällt ihm schwer. Er ist seit dem 24.03.11 bei uns.     

Dienstag, 22. März 2011

Markttag

Jeden Dienstag ist Markttag in Nkoranza und heute will ich euch etwas davon berichten.
Für Nkornza ist er wirklich riesig und als ich das erste mal dort war hat es mich wirklich erschlagen. Jetzt habe ich mich natürlich daran gewöhnt und kann mehr oder weniger in Ruhe shoppen :-) Natürlich ist er in keinster Weise mit dem Zentralmarkt in Kumasi zu vergleichen, aber so ungefähr könnt ihr ihn euch vorstellen. Es ist laut- jeder preist lautstark seine Ware an, als weißer Mensch wird man gefühlt von jedem angesprochen, damit man etwas kauft, die Menschen schieben sich durch die „Gänge“ und dazwischen laufen noch Verkäufer mit ihrer Ware auf dem Kopf herum, die sie an die Frau oder den man bringen wollen. Das ist schon praktisch, denn manchmal kommt die Ware, die man kaufen will einem quwasi entgegen :-) Auch nach 8. Monaten staune ich immer wieder, was, wieviel, wie groß oder wie schewer die Dinge sein können, die man auf dem Kopf transportiert. Einfach unglaublich.....
 
Lebensmittel wie Zwiebeln, Tomaten, Gurke, Paprika, Möhren (sehr teuer), Kartoffeln (es gibt nur einen Stand an den man diese Dienstags für viel Geld erweben kann), Knoblauch, Reis (sehr viele verschiedene Sorten, die per Tassen abgemessen werden), Gewürze (verpackt in kleinen Tüten), Nudeln, säckeweise Mais, Kohl, manchmal Salat, verschiedene Sorten an Obst wie z.B Bananaen, Äpfel, Ananas, Orangen, Papaya, Cashewnut, Sweetapple, Mango, Cocusnus und natürlich vieles an Gemüse, was wir in Deutschland nicht kennen, wie z.B. Yam, Kochbananen, Cocoyamblätter. Ansonsten werden Haushaltswaren, Schmuck, warme und kalte Mahlzeiten, Süßwaren, Geschirr, Toilettenartikel, CDs, DVDs, Spiele, Kleidung, Stoffe, Schuhe, Lederwaren, Tische, Stühle usw. in Hülle und Fülle angeboten.
Ein echtes Haighlight ist natürlich die Fleischhalle und alle anderen Stände an denen Fleisch und Fisch angeboten wird. Das ist nichts für Vegetarier und auch für alle die gerne Fleisch und Fisch essen ist der Anblick doch eher gewöhnungsbedürftig :-) Kühlkette? Noch nie davon gehört- das ganze Tier liegt schön in der Sonne, auf dem Holztisch und wird dort ausgenommen und so in Stücke geschnitten wie es der Käufer haben will. Fleisch steht für „Reichtum“ in Ghana und gehört zu einer ordentlichen Suppe immer dazu! Angeblich wird das Fleisch, was in der Fleischhalle angeboten wird morgens geschlachtet und ist somit sehr frisch. Einmal habe ich dort Rindfleisch gekauft und ich muss sagen, das es wirklich richtig gut war. Des öfteren habe ich aber schon Hähnchen und Fisch in einem Coldstore gekauft. Hier ist das Fleisch und der Fisch gefrohren, aber natürlich wird der Fisch immer noch mit Kopf und Schwanz verkauft und natürlich isst man alles mit. Mitlerweile kann ich auch ALLES von dem Fisch essen, sogar manchmal die Fischaugen. Ja ich weiß ich bin schon etwas abartig, aber was soll ich machen- ich passe mich halt so gut es geht der Kultur an :-)
Leider kann man keine Milchprodukte kaufen- keine Milch (nur Milchpulver), kein Joghurt, kein Quwark, kein Käse, keine Butter, kein Frischkäse- nichts :-( Auch gibt es keinen Aufschnitt. Was auch sehr schade ist: es gibt nur 3 Weißbrotsorten zu kaufen: Butterbrot, Zuckerbrot und Teebrot. Es ist zwar wirklich lecker, aber macnhmal vermisse ich die Kunst der deutschen Bäcker....
Fotos habe ich bis jetzt nur wenige vom Markt gemacht, aber diese von Techiman und eins von Nkoranza will ich euch nicht vorenthalten.

Samstag, 12. März 2011

6. März


Seit dem 6.März 1957 ist die ehemalige Goldküste als erste Kolonie im tropischen Afrika unabhängig. Dieser Tag ist natürlich Nationalfeiertag und wird auch als solcher gefeiert. Da er dieses Jahr auf einen Sonnatg fällt wird morgen halt auch noch frei gemacht. Juchu nur bis 12 Uhr arbeiten :-)

Auf jeden Fall gestaltet sich der Feiertag so: Monate vorher trainieren die Kinder an den Schulen das Marschieren. Die besten unter ihnen durfen am 3.6. sich einen Art „Wettbewerb“ stellen. Alle Schulen einer Stadt oder eines Stadtteils?! treffen sich. Bei unserem Fall auf dem Sportplatz. Um den Sportplatz herum versammelten sich die einzelnen Schulen und natürlich die Bürger von Nkoranza. Ansprachen wurden gehalten, die Nationalhymmne gesungen und dann gings ans Marschieren. Schule für Schule hintereinander her. Auch die benachbarte Shalom spezial school (zu der einige unsere Kinder gehen) hat natürlich daran teilgenommen. Es war so toll die Kinder von PCC dort zu sehen und noch schöner war, dass die Leute um uns herum sie mit großem Beifall empfangen haben und ihnen zu gejubelt haben. Das ist nicht selbstverständlich, denn in Ghana herscht immer noch der Arberglaube, dass diese Kinder nicht von Gott kommen, sondern vom Wassergeist.
 Shalom spezial school



Beim Sportplatz war ich mit 2 anden Freiwilligen, 4 Caregivern und 2 Kindern von PCC. Den Tag vorher hatte ich mir überlegt, dass es doch toll wäre, wenn uns 2 Kinder von PCC in die Stadt begleiten können. So kam es, dass wir Daniel und Emmanuella mitgenommen haben und beide hatten ihren Spaß!


Daniel


Emanuella


Dina



Vida

Auf PCC sind wir alle nach dem Frühstück über das Gelände marschiert und haben auch die ghanaische Nationalhymmne gesungen.   

Samstag, 5. März 2011

Der Norden


Wie ja schon geschrieben war ich vom 19. bis 23.02.11 auf dem Zwischenseminar. Wir haben uns in Jirapa getroffen, da 5 von 10 Teilnahmern dort zuhause sind. Insgesamt waren wir 10 deutsche Freiwillige (alle über Weltwärts) und 2 Seminarleiter. Zu Beginn war es ganz seltsam von so vielen Weißen und dann noch Deutschen umgeben zu sein, aber ich habe mich doch rellativ schnell daran gewöhnt. Leider haben wir uns alle so schnell daran gewöhnt, dass wir uns auch in Anwesenheit von Ghanaen auf deutsch unterhalten haben. Blöd nur, dass es einem selber in dem Moment überhaupt nicht bewusst wird. Das gute daran ist, dass ich die Ghanaen, die ja auch in meiner Anwesenheit Twi sprechen, jetzt deutlich besser verstehen kann. Schließlich war ich für 1 Woche auch nicht besser.
Gewohnt haben wir im katholic Guesthouse. Frühstück (Fried Egg) haben wir von dort bekommen und die beiden übrigen Mahlzeiten wurde von dem „Hausmädchen“ vom Pfarrer gekocht.
Das Seminar war wirklich gut und hat zum Denken angeregt. Wir haben viel reflektiert, uns über die Kultur ausgetauscht, über Umgang mit Konflikten gesprochen, jeder hat sein Projekt vorgestellt und dabei auch die negativen Dinge auf den Tisch gebracht. Für alles kann natürlich keine Lösung gefunden werden, aber zum Teil waren richtig gute Ideen für jeden dabei. Sehr hilfreich war auch ein Einzelgespräch, dass jeder Freiwillige mit einem Seminarleiter geführt hat. Da wurde mir nochmal bewusst, dass ich viele kleine Dinge erreicht habe, auf die ich stolz sein kann. Des weitern kann ich neue Motivation, Energie, Ideen und einen neuen Blickwinkel mit nach PCC nehmen.  
Zum anderen haben wir über den bevorstehenden Kulturschock- BACK TO GERMANY gesprochen. Immerhin war ich dann ein Jahr nicht in Deutschland und ich muss mich an die typisch deutschen Dinge und Gewohnheiten erst wieder gewöhnen. Auch muss man sich erst wieder an Freunde und Familie „gewöhnen“ und die Freunde und Familie auch wieder an einem selbst. Aber das schaffen wir schon :-). Irgendwann muss ich mich dann auch wieder um einen Job bemühen.... aber daran will ich jetzt nicht denken, denn zum Glück habe ich noch über 4 Monate Zeit in Ghana.
Viele der anderen Freiwilligen haben wirklich Probleme in ihren Projekten und werden damit sehr viel alleine gelassen. Eine Freiwillige arbeitet schon seit 3 Monaten nicht mehr an ihrer Schule, da sie es sich wohl mit den Lehrern „verscherzt“ hat. Sie gesteht viele Fehler ein, aber es war einfach niemand verantwortliches an ihrer Seite, der von Anfang an interveniert hat.
Zum anderen berichten alle anderen Freiwlligen über Mangelnde Struktur in ihren Projekten. Davon bin ich zum Glück verschont geblieben. In PCC läuft alles sehr geregelt ab.

Was kann ich euch sonst über den Norden berichten? Nach dem überquweren des Black Volter Rivers lässt man das südliche Ghana mit seinen Waldgebieten und dicht besiedelten Regionen hinter sich und begiebt sich in die Savanne. Man sieht eine offene Savannenlandschaft mit Hochgras und gelegentlichem Baumwuchs. Nur wiederstandsfähige Bäume wie Mango, Shea- Butter- Baum, Baobab, Kolanußbaum oder Neem können hier überleben. Das Klima ist anders. Es ist heiß. Über 40 Grad. Die Sonnenstrahlen sind intensiver und die Luft ist noch trockener als im Süden (hab nicht gedacht, dass es noch trockener geht). Es gibt nur eine Regenzeit von Juli bis Oktober.
Der Norden Ghanas ist kaum besidelt. Die Befölkerung lebt weitgehend in kleineren Ansiedlungen von der Landwirtschaft. Angebaut werden können viele Getreidesorten wie Reis, Hirse, Sorghum und Mais. Aber es mangelt aus meiner Sicht tatal an Gemüse und Obst. Auf dem wöchentlichen Markt wird dieses zwar in kleinen Mengen angeboten, aber natürlich ist es auch teurer. Unter der Woche kann man halb vertrocknete Orangen und braune Bananen kaufen. Ich hatte wirklich etwas Mitleid, denn in Nkoranza kann man alles immer kaufen (auch meine geliebte Ananas :-)).
Zu sehen ist ein Baum mit dem interessnten Namen Baobab, der nur im Norden wächst.



Die restlichen 4 Tage nach dem Sminar habe ich natürlich nicht wie vorher überlegt im Mole Nationalpark verbracht, sonder in Jirapa. 3 der Freiwilligen leben zusammen mit dem Pastor, seiner Frau und seinen Angestellten in einem Haus in Jirapa. Dort gibt es viel Platz und so wurde mir angeboten, dass ich die übrigen Tage dort verbringen kann. Ich hatte sogar mein eingenes Zimmer!
Am Donnerstag habe ich mit Johanna und den 2 Söhnen des Pastors eine kleine Fahrradtour (28 km) zu den Mashroom rocks (Pilzfelsen) gemacht. Ihr könnt euch glaube ich nicht vorstellen, wie toll es ist nach 6 Monaten wider auf einem Fahrrad zu sitzen, Sport zu machen und dabei die Umgebung von Jirapa zu erkunden. Einfach grandios. Mitten durch die Natur, vorbei an ganz, ganz kleinen Dörfern oder einzelnen Häuser.
                                                         




Am Freitag war ich dann erst morgens in Wa (die Hauptstadt der Region). Ich habe Johanna zum Bus begleitet, da sie wieder nach Kumasi gefahren ist. Danach bin ich noch etwas durch die Stadt gelaufen und habe mir eine tolle Tasche gekauft. Im Anschluss bin ich nach Ermon gereist. Ermon ist das Heimatstädtchen von Andrews. Mit Andrews habe ich 2 Monate zusammen gearbeitet. Dann hat er PCC verlassen um wieder die Schulbank zu drücken, aber den guten Kontakt konnten wir halten. Im Moment schreibt er seine Klausuren und ist für 2 Wochen bei seiner Familie zu Besuch. Wir haben uns super unterhalten und es war toll, ihn mal wieder gesehen zu haben.



Andrews


Geschwister von Andrews


Auf meinem Rückweg nach Jirapa ist das Tro- tro leider „zusammengebrochen“ und musste 2,5 Stunden lang repariert werden. Hat mich irgendwie nicht gewundert, dass die Achse gebrochen ist, da der Fahrer nicht allesn Schlaglöcher ausweichen konnte und wir dazu sehr, sehr schwer beladen waren, wie ihr auf dem nachfolgenden Foto sehen könnt. In Deutschland wäre ich wahrscheinlich ausgerastet und hätte mich tierisch geärgert, aber in seitdem ich in Ghana bin habe ich gelernt es einfach so hinzunehmen wie es ist. Wir saßen also alle am Straßenrand, haben uns ausgeruht und Erdnüsse gegessen.



Tro- tro
 
Den Samstag über habe ich viel gelesen (die Freiwilligen bekommen immer den Stern vom ansässigen deutschen Arzt), habe Tagebuchgeschrieben und mich viel unterhalten.
Am Sonntag morgen um halb sieben habe ich mich dann aufgemacht zurück nach Nkoranza. Diesmal lief alles glatt :-)

Donnerstag, 17. Februar 2011

Zwischenseminar


Vom 19. bis 23.02.11 bin ich auf meinem Zwischenseminar. In den Weltwärtsregeln ist festgehalten, dass jeder Freiwillige ein Recht auf ein Zwischenseminar in seinem Land hat. Wir (von bezev) werden an dem Seminar von der Kinderhilfe Westafrika teilnehmen. Bezev gestaltet kein eigenes Seminar in Ghana, denn wir wären nur 2 Personen und das ist für einen adäquaten Austausch doch zu wenig :-) Johanna (Freiwillige von bezev, arbeitet an einer Schule in Kumasi) und ich werden uns gemeinsam am frühen Samstag morgen nach Jirapa aufmachen. Jirapa liegt im hohen Norden von Ghana in der Upper West Region. Laut meinem Reiseführer ist der Norden am wenigsten von der europäischen Kultur tangiert- eine Reise zurück zu den eigentlichen Wurzeln des Landes. Ich bin sehr gespannt und werde euch natürlich davon berichten. Bis zum 27.02. habe ich dann noch frei und werde mir wahrscheinlich den Mole Nationalpark anschauen, aber so wie ich mich kenne könnte es auch passieren, dass ich spontan meine Pläne ändere....

Aufmerksame Leser werden sich jetzt wahrscheinlich fragen: Und was ist mit Anja? Ist sie nicht auch mit bezev in Ghana?
Ja richtig: Auch Anja war mit bezev in Ghana und hätte an diesem Seminar teilgenommen. Hätte, wenn sie nicht letzten Donnerstag zurück nach Frankfurt geflogen wäre. Anja ging es leider von Anfang an in Ghana nicht gut und konnte hier nicht ankommen. Sie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie ist dann doch ihrem Herzen gefolgt und das ist immer die richtige Entscheidung. Ich hatte eine unvergesslich tolle Zeit mit Anja und habe eine Freundin in ihr gefunden. Ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie mich während ich krank war so unglaublich unterstützt hat. Ohne sie hätte ich nicht gewusst wie ich es überstanden hätte. Aufgrund 2er Engel konnte ich Anja in einem Privattaxi nach Accra zum Flughafen begleiten und mich von ihr verabschieden.

Ich melde mich in 2 Wochen wieder bei euch mit hoffentlich tollen Erlebnissen.... Lasst es euch auch gut gehen!

Samstag, 12. Februar 2011

Krank


Jetzt hatte es mich doch so richtig erwischt. Ich war krank. Was sich erstmal harmlos anhört war leider alles andere als harmlos. In Deutschland bin ich so gut wie nie krank, aber in Ghana, wo die Gesundheitsversorgung so besonders gut ist, habe ich dann direkt mal in die vollen gegriffen :-)

Anja und ich sind am Sonntag den 24.01. vom Bui Nationalpark zurück gekommen. Auf den letzten Metern bevor wir PCC erreichten wurden wir beide schon von Bauchschmerzen begleitet, ich habe mich schwach und ausgepowert gefühlt. Das haben wir aber erstmal auf das anstrengende Wochenende geschoben. Auf PCC habe ich mich ausgeruht und dachte, dass danach wieder alles in bester Ordnung sei. Dem war natürlich nicht so: ich habe leicht erhöhte Temperatur entwickelt (38,4°). Ich hab mir nichts weiter dabei gedacht und bin noch mit Anja in die Stadt gelaufen, um mit meiner Familie zu skypen. Zurück auf PCC stieg das Fieber jedoch immer mehr. Der Verdacht lag nahe, dass ich jetzt doch Malaria habe. In der Nacht stieg das Fieber leider auf 40° und mir ging es von Stunde zu Stunde schlechter. Am nächsten morgen haben Anja und ich beschlossen ins St. Theresa Krankenhaus von Nkoranza zu gehen, um mich untersuchen zu lassen. Ihr müsst wissen, dass es in Ghana kein Hausarztsystem oder was vergleichbares gibt. Jeder, der krank ist, muss zum Krankenhaus gehen, um sich dort behandeln zu lassen.
Als erstes musste ich 10 Cedis für eine Krankenakte bezahlen, wurde dann gewogen, Blutdruck gemessen und Fieber gemessen. Das Fieber ist in der Zwischenzeit auf 36° gesunken, was auch eigentlich typisch für Malaria ist. Dann mussten wir warten, dass der Arzt für uns Zeit hatte, aber da wir ja weiß sind, ging das ziemlich zügig und wir kamen vor den anderen wartenden dran. Der Arzt hat sich meine Symptome angehört und sofort die Diagnose Malaria gestellt. Trotzdem er sich so sicher war, bestand ich trotzdem darauf, einen Bluttest machen zu lassen. Also sind wir zum Labor gegangen und mir wurde auf wirklich
abendteuerlicherweise Blut abgenommen. (Aber die Spritzen und so waren steril). Nach 30 min war das Ergebnis da und wir mussten wieder zum Arzt. Der Bluttest konnte Malaria nicht nachweisen, aber laut Arzt ist das mit den Test hier auch nicht immer möglich. Er hat mir dann Malariatabletten verschrieben. Diese musste ich zuerst an der „Kasse“ zahlen und musste dann zur Krankenhausapotheke um die Medis zu bekommen. Auch hier wurde ich bevorzugt behandelt. Mir wurden sofort meine Medis ausgehändigt, obwohl ca. 40 Leute vor mir in der Schlange waren. (Eigentlich finde ich es furchtbar, dass weiße Menschen bevorzugt behandelt werden, aber mir ging es so schlecht, dass ich in dem Moment wirklich dankbar dafür war). Zurück auf PCC habe ich die ganzen Tage und Nächte in meinem Bett verbracht. Von Tag zu Tag wurde ich schwächer. Das Fieber kam immer wieder in Schüben und wurde von Schüttelfrost begleitet. Sank das Fieber, dann habe ich geschwitzt, geschwitzt und geschwitzt. Meinen Appetit habe ich komplett verloren in der Zeit. Anja hat sich super um mich gekümmert. Sie hat mir immer Wasser geholt, sich um mich gekümmert und auch Essen gekocht. Ich rechne ihr das sehr hoch an, denn wenn ich einen Tag etwas Reis gegessen habe, dann konnte ich es an den nächsten Tagen nicht mehr essen, denn mein Körper hat gegen alles Ekel entwickelt. Sie hat also immer probiert, mir was anderes zuzubereiten, damit ich überhaupt ein paar Bissen herunter bekomme. 

Am Donnerstag morgen waren alle Malariatabletten aufgebraucht, aber ich habe mich deutlich schlechter gefühlt als noch am Monatag. Inneke Bossmann (Tropenmedizinerin, Gründerin von PCC) kam vorbei und meinte, dass ich unbedingt noch mal ins Krankenhaus müsste. Glücklicherweise hat sie Anja und mich mit ihrem Auto zum Krankenhaus gefahren und war auch die Zeit über mit uns dort. Die gleiche Prozedur wie am Montag ging los: wiegen (5 kg weniger als noch am Monatag), Blutdruck und Fieber messen. Dieses mal war das Fieber bei 38,5° und die Krankenschwester meinte ganz verwundert: Oh du bist wirklich krank und hat mich sofort ohne Umwege zum Arzt gebracht. Dieses mal war es ein spanisches Ärzteehepaar. Sie habe sich wieder meine Krankengeschichte angehört und im Gegensatz zu Montag wurde ich aufgrund meines lang anhaltenden Hustens (seit Weihnachten) sogar abgehorcht und auch meine Lunge wurde geröntgt. Das Röntgen ergab, dass ich eine Bronchitis habe. Zudem meinten sie, dass meine Malariatabletten zu schwach waren und haben mir die stärksten verschrieben, die es so gibt. Dann mussten wir wieder alles bezahlen gehen. Ich habe zwar eine Krankenversicherung, aber ich muss zuerst in Vorkasse treten und muss die Rechnungen dann in Deutschland einreichen, um das Geld wieder zu bekommen. Somit gelte ich in Ghana als Privatpatient :-) und werde natürlich auch als solcher behandelt. 

Zurück auf PCC habe ich fleißig Unmengen von Tabletten geschluckt, Anja hat mir Wadenwickel (auch in der Nacht) gemacht, denn das Fieber stieg immer wieder deutlich über 39°. Zudem musste ich mich des öfteren übergeben. Je länger das Fieber anhielt, desto schwächer wurde ich. Auch Anja wurde von Tag zu Tag schwächer. Auf ihr lastete die ganze Zeit über die Verantwortung für mich zu sorgen. Niemand hat sich ansonsten um mich gekümmert. Klar kamen meine ghanaischen Kollegen jeden Tag vorbei um zu sehen, wie es mir geht, aber keiner kam mal auf die Idee zu helfen. Niemand verantwortliches von PCC hat sich mal blicken lassen. So verstrichen die Tage.

Am Sonntag kam Inneke vorbei und ich glaube, dass mein Anblick sie wirklich geschockt hat. Plötzlich musste alles ganz schnell gehen und ich sollte mir doch überlegen, ob ich nicht doch sofort nach Techiman ins Krankenhaus wollen würde. Ich habe dem dann zugestimmt und Inneke hat einen ihr bekannten Arzt dort angerufen und schon mal bescheid gegeben, dass ich komme und wir auch ein Privatzimmer benötigen. Sobald sich das auf PCC rumgesprochen hat, standen auch ganz plötzlich 2 offizielle Personen (Emma Coordinator, Mr. Buffo) von PCC in meinem Zimmer. Zuvor hat sich ja wie bereits gesagt wirklich kein Schwein um mich gekümmert. Alles blieb an Anja hängen- auch die komplette Verantwortung für meine Gesundheit und meine Behandlung. Patricia (die höchste Caregiverin) wurde auch noch
gerufen, um mir bzw. Anja beim packen zu helfen. Eigentlich haben alle das Chaos noch viel größer gemacht, aber irgendwie war dann doch alles in Taschen gepackt und Mr. Buffo hat uns zum Krankenhaus gefahren. Von der Fahrt und auch von dem Abend und der 1. Nacht im Krankenhaus weiß ich so gut wie nichts mehr. Ich saß mit Anja bei dem Arzt und war nicht mehr in der Lage zu sprechen. Anja hat die ganze Zeit mit dem Arzt geredet und ihm meine Krankengeschichte geschildert. Mir wurde Blut abgenommen und ein Zugang für Infusionen gelegt. Ich weiß noch, dass der Arzt natürlich ganz ghanaisch meinte, dass ich bald wieder „fine“ bin und mir mal keine Sorgen machen soll. Leichter gesagt als getan, denn zu dem Zeitpunkt habe ich schon 1 Woche mit dem Fieber gekämpft und 50 Tabletten geschluckt. Die Diagnose vom Arzt war soweit ich mich erinnern kann: Lungenentzündung.
Unser Privatzimmer bestand aus 2 Betten, einem Kleiderschrank, einem funktionierenden Kühlschrank!!! und einem Badezimmer. Der Arzt hat mir Infusionen und Medikamente verschrieben, die Anja erstmal bezahlen gehen musste um sie dann in der Apotheke abholen zu können. In Ghana ist es in den Krankenhäusern so, dass man immer eine Begleitperson braucht, die die Aufgaben übernimmt, die bei uns in Deutschland eine Krankenschwester eigentlich übernehmen würde.
Zum Glück meinte der Arzt noch, dass er uns am nächsten Tag eine deutsche Ärztin vorbei schicken würde.
Das wir ein Privatzimmer hatten war wirklich wichtig, denn ansonsten hätte ich mit 30 anderen Patienten in einem großen Saal gelegen und Anja hätte auf einem Stuhl oder dem Boden schlafen müssen.
Die Nacht verging irgendwie mit Fieber, schwitzen, Durchfall und erbrechen.
Morgens hat die Krankenschwester Blutdruck und Fieber gemessen und meinte natürlich auch: You will be fine. Das mein Blutdruck total im Keller war muss ja nicht noch erwähnen.
Vormittags kam dann die deutsche Ärztin und ein holländischer Medizinstudent vorbei. Der Name der Ärztin ist Dr. Maier und sie arbeitet seit 2 Jahren auf der Kinderstation des Krankenhauses. Sie wird für weitere 10 Jahre im Holly Family Hospital von Techiman arbeiten. Sie hat sich meine Krankenakte geben lassen und hat sich die Krankengeschichte auch noch mal persönlich erzählen lassen. Sie meinte sofort, dass ich ganz klar Typhus habe. Alles würde passen. Ich habe sie gefragt, wie sicher sie sich ist, denn für mich ist es die ganze Zeit so furchtbar, dass jeder Arzt was anderes sagt. Sie meinte, dass sie sich zu 100% sicher ist und sie mir es auch schriftlich geben würde. Sie sagte aber auch, dass ich geduld haben muss und das Fieber erst nach 5 Tagen weg sein würde. Sie hat dann natürlich die Medikation geändert und Anja musste sich wieder auf den Weg machen um alles zu besorgen. Ich war etwas erleichtert, denn es tat gut auf deutsch mit der Ärztin zu sprechen und sich auch verstanden zu fühlen. Von den ghanaischen Ärzten und auch Krankenschwestern habe ich mich die ganze Zeit über nicht ernst genommen gefühlt. Dr. Maier hat uns sogar noch gefragt, ob wir noch was benötigen würden und hat vorgeschlagen, dass sie uns Abendessen vorbei bringen würde und Marmelade fürs Frühstück. Anja und ich waren geplättet und haben diese Ärztin als richtigen Segen empfunden. In ghanaischen Krankenhäusern wird kein Essen und auch keine Getränke bereit gestellt. Auch darum musste sich Anja die ganze Zeit kümmern und die Lebensmittel in der Stadt einkaufen. Somit haben wir uns riesig gefreut, dass wir abends etwas warmes zum Essen bekommen.
Gegen 11 Uhr kam dann die Visite vorbei und ich habe zum gefühlten 50. mal erzählt, warum ich hier bin. Der holländische Medizinstudent war auch mit von der Partie. Wenn ich mich recht erinnere habe ich noch mal Tabletten gegen den Durchfall aufgeschrieben bekommen. Verrückter Weise sollte ich laut Tablettenplan morgens, mittags und abends jeweils 2 Paracetamol schlucken, egal ob ich zu dem Zeitpunkt Fieber habe oder nicht. Das ist doch verrückt oder?!? 8 Paracetamol am Tag und dazu noch all die anderen Tabletten, Infusionen und Spritzen. Natürlich habe ich mich immer geweigert die Tabletten zu schlucken, wenn ich kein Fieber gehabt habe. Natürlich fanden das die Krankenschwestern nicht so toll und
meinten, dass ich die Medis schon nehmen muss um gesund zu werden. Die Krankenschwestern habe mich bestimmt verflucht, denn bei jeder Tablette, die ich schlucken sollte habe ich erstmal gefragt, wofür die ist, was in den Infusionen drin ist usw. Ja ich war eine schwierige Patientin. Am Abend kam tatsächlich Dr. Maier vorbei und hat uns Kartoffeln mit Gemüse und Würstchen gebracht. Ich war immerhin in der Lage ein Würstchen und einen Bissen von der Kartoffel zu essen. Die Nachtschwester kam um mir neue Infusionen und Medis zu geben, Fieber zu messen und um mir zu sagen, dass ich bald wieder „fine“ bin. Die Tabletten gegen den Durchfall habe ich eigentlich immer sofort wieder ausgebrochen.
Morgens um 7 Uhr wurde wie immer Fieber und Blutdruck gemessen.

Der Dienstag war ein furchtbarer Tag. Morgens hatte ich schon 39° Fieber und habe 2 Paracetamol geschluckt. Das Fieber ging dann gerade mal runter auf 38,8°. Es ist dann aber wieder gestiegen. So lag ich da in meinem Bett und habe wirklich vor mich hin vegetiert. Den ganzen Vormittag und Mittag ist das Fieber nicht runter gegangen. Eine Krankenschwester und ein Krankenpfleger kamen vorbei und ihnen habe ich gesagt, dass ich seit mehreren Stunden Fieber habe, schon Paracetamol genommen habe, es aber nicht runter geht. Sie haben nur gelacht und meinten, was sie tun sollen. Ich war so sauer, habe mich überhaupt nicht ernst genommen gefühlt und musste anfangen zu weinen. Damit konnten die beiden nunmal überhaupt nicht umgehen und haben noch mehr gelacht. Meinten ich sollte nicht weinen, denn das würde Anja sehr weh tun. Ich habe argumentiert, dass Anja und ich aus einem anderen Kulturkreis kommen und es ok ist, wenn ich weine. Dafür hatten sie nun mal überhaupt kein Verständnis (wie gesagt in Ghana weint man nicht). Zumindest konnten wir ihnen sagen, dass sie doch den Arzt vorbei schicken sollen. Der ghanaische Arzt und auch der holländische Student kamen vorbei und beiden hat man angesehen, dass sie Ratlos waren. Plötzlich meinten sie noch allerhand Untersuchungen mit mir machen zu müssen. Mir wurde Blut abgenommen für ein großes Blutbild und um es nochmals auf Malaria zu untersuchen, ich musste eine Stuhlprobe abgeben und meine Lunge wurde nochmals geröntgt. Der Student hat dann zugegeben, dass sie alle etwas ratlos sind und nicht wirklich wissen, was ich habe. Evt. hätte ich auch Tuberkulose. Da war es bei mir und Anja vorbei. Wir waren fertig mit der Welt und mit den Nerven. Ich wollte nur noch nach Deutschland. Wir hatten das Gefühl, dass sie einfach mal an mir rumhantieren. Ich habe meinen Papa angerufen, ihm alles geschildert und gesagt, dass ich unbedingt nach Accra in ein Krankenhaus will und dann nach Deutschland fliegen will, sobald ich transportfähig bin. Sie haben dann mit bezev und der Versicherung telefoniert. Heraus kam, dass die Versicherung mich nur dann nach Accra mit einem Krankentransport fahren lassen würde, wenn Dr. Maier ihr schriftliches OK geben würde. Dr. Maier und die Versicherung waren im ständigen Kontakt und meinten, dass ich gut aufgehoben bin Techiman. Am Abend kam Dr. Maier (auch mit Essen) und wir haben ihr die Situation geschildert. Sie war von der Idee mich nach Accra zu schicken nicht begeistert und meinte, dass ich halt noch Geduld haben muss, bis die Medis wirken. Sie ist dann noch mal raus, um meine Krankenakte zu holen, denn von den ganzen Untersuchungen die gemacht wurden sind, hat uns bis dahin natürlich niemand über die Ergebnisse aufgeklärt. Ich habe meinen Papa angerufen, weil ich so sauer und verzweifelt war, dass sie mich nicht gehen lassen will. Er hat dann mit ihr gesprochen und plötzlich war es dann doch kein Problem mehr, dass sie ein Schreiben aufsetzt und es am nächsten morgen an die Versicherung faxt, dass ich doch besser nach Accra transportiert werde. Ich war glücklich, denn an dem Tag war mir alles zu viel und ich hatte wirklich Angst um mein Leben. Dr. Maier konnte mit immerhin sagen, dass mein Stuhl ohne Befund ist, dass mein Blutbild ganz klassisch für Typhus und jetzt auch wieder Malaria stehen würde und ich zudem eine Lungenentzündung habe. Da war ich wieder mal geschockt- all diese Diagnosen. Natürlich wurden wieder meine Medikamente umgestellt- nur das Medikament gegen Typhus wurde konsequent gegeben. Am späten Abend stieg das Fieber wieder und mir ging es mal wieder richtig beschissen. Die gleiche Nachtschwester wie immer kam und sie war dann doch auch besorgt um mich.
Plötztlich fing sie an und meinte, dass sie sich um mich kümmern müsste. Sie hat sich ohne zu fragen ein Tshirt geschnappt, es klitschnass gemacht und mich von oben bis unten abgerieben. Ihr müsst euch eine richtig gut gebaute ghanaische Mama vorstellen, die mir das nasse Tshirt auf den Körper geklatscht hat. Sie hat die Beine auseinander gerissen, um auch die Schenkel ordentlich zu bewässern. Die Situation war so skuriell: Erst kümmert sich kein Schwein um mich und dann kommt diese Nachtschwester und weicht für 2 Stunden nicht mehr von meiner Seite. Sie hat sich auch noch zu Anja aufs Bett gesetzt und hat mit ihr Deutsch gelernt und versucht in ihrem deutschen Buch zu lesen. Ne es war einfach unglaublich- nachts um 1 ist sie dann endlich mal gegangen, aber sie hat uns immerhin etwas aufgeheitert und auch das Fieber ist gesunken. 

Am nächsten morgen haben Anja und ich noch mal die Köpfe zusammen gesteckt und in ruhe überlegt, wie wir jetzt weiter vorgehen und ob ich nun nach Accra soll oder nicht. Wir kamen zu dem Entschluss, dass es doch nicht gut ist, wenn ich die 7 Stunde reise und dem Medikamenten doch noch eine Chance gebe werde. Ich habe meine Eltern informiert und auch sie meinten, dass es besser wäre, wenn wir die Ruhe bewahren und in Techiman bleiben. Dr. Maier kam vorbei und sie fand unsere Entscheidung auch gut. Zum Glück ging es mir am Mittwoch auch besser. Ich musste nicht mehr erbrechen und konnte deutlich mehr essen als noch am Vortag. Eine Freundin aus Kumasi kam vorbei um mich zu besuchen. Es war gut, dass sie da war, denn so wurden Anja und ich abgelenkt und auf andere Gedanken gebracht.

Donnerstag ging es mir dann wirklich besser. Ich konnte aufstehen und im Zimmer umher gehen, alleine zur Toilette gehen, mir was zu trinken machen.... Das Fieber war weg und es hat sich so gut angefühlt. Alle Ärzte und Schwestern waren auch ganz begeistert und haben sich mit mir gefreut. Auch der Durchfall wurde immer weniger.

Am Freitag morgen ging es mir so gut, dass ich gleich bei der Visite gefragt habe, ob ich nicht nach hause gehen könnte. Diese Entscheidung wollten sie Dr. Maier überlassen, die erst Mittags nach mir gesehen hat. Sie hat dann ihr ok gegeben und um 16 Uhr saß ich bei Mr. Buffo im Auto.
Es war so schön wieder auf PCC angekommen zu sein- zuhause! Die Kinder haben sich auch gefreut mich zu sehen und kamen angelaufen um mich zu begrüßen.
Da mir Dr. Maier noch Bettruhe verordnet hat und ich mich sehr schwach gefühlt habe, bin ich erstmal wieder mein Bett hüten gegangen:-) Am Wochenende habe ich viel gelesen, bin aber auch raus aus meinem Zimmer um auf dem Gelände herumzulaufen. Am Sonntag kam Dr. Maier vorbei und sie hat sich sehr gefreut mich draußen zu sehen und meinte auch, dass ich wieder richtig gut aussehen würde- kein Vergleich zu den Tagen im Krankenhaus :-)

Am Montag musste ich zum Checkup ins Krankenhaus zu Dr. Maier. Als sie irgendwann Zeit für uns hatte, musste ich ihr direkt mein neues Leid klagen. Von dem Zugang in meinem Unterarm hat sich eine Entzündung gebildet. Mein linker Unterarm war geschwollen, hart und schmerzhaft. Dagegen hat sie mir Tabletten aufgeschrieben und auch ein Rezept für Eisentabletten hat sie mir ausgestellt. Die restliche Zeit haben wir zum plaudern genutzt. Im Anschluss mussten wir wie immer erst die Medikamente bezahlen und sie dann bei der Krankennhausapotheke abzuholen. 

So das wäre erstmal alles, was ich zu meiner Krankengeschichte zu schreiben habe. Nochmal muss ich sagen, was für ein Segen es war Dr. Maier kennen gelernt zu haben. Sie hat mich von Anfang an konsequent gegen Typhus behandelt- das war mein großes Glück, denn ansonsten hätte ich einen Darmbruch erleiden können mit Not-op und allem drum und dran.... Auch menschlich ist sie toll und ich werde mit ihr in Kontakt bleiben.
Hier auch noch mal ein riesen DANKESCHÖN an Anja- ohne dich hätte ich das alles nicht überstanden. Auch DANKE an all meine lieben Freunde und meine Familie in Deutschland für die Unterstützung und die Kraft die ihr mir gegeben habt!

Ach so: Anja und ich sind uns sicher, dass ich mir das Typhus bei einem Friedegg- Stand in Techiman geholt habe. Am morgen als wir von Bui gekommen sind haben wir dort gefrühstückt und ab dann ging es mir zunehmend schlechter und auch Anja hatte Bauchschmerzen. Der Unterschied zu mir und Anja war, dass sie gegen Typhus geimpft war und ich halt nicht!

Heute geht es mir wieder gut. Ich bin noch schwach und viel müde, aber das war es dann auch schon.