Samstag, 4. September 2010

Leben in der Gastfamilie

Das letzte mal habt ihr Fotos von meiner Familie zu sehen bekommen und heute möchte ich euch etwas mehr über sie und mein Leben dort berichten.

Seit Montag weiß ich nun, dass Sister Mavis einen 8. Jahre alten Sohn hat. Er heißt Kofi und wohnt mit Sister Mavis in einem Raum. Er war die letzten Wochen während der Schulferien bei seinem Vater und somit habe ich ihn jetzt kennen gelernt. Er war am Anfang sehr schüchtern, aber wenn ich jetzt von der Arbeit nach Hause komme, dann freut er sich und umarmt mich zur Begrüßung.

Meine Gastmutter Margret ist verheiratet, aber ihr Ehemann hat insgesamt 4 Frauen und wohnt nicht bei uns. Ich war geschockt, als ich das gehört habe, aber für Ghana ist das angeblich normal?!?

Mein Tagesablauf unter der Woche sieht im Moment so aus: Ich stehe um 6 Uhr auf und nehme eine Eimerdusche. Danach putze ich mir die Zähne. Ich erwähne das deshalb, da ich das nicht wie ihr am Waschbecken mache, sondern wie alle anderen auch einfach draußen. Sie spucken alles in die Natur.
Um ca. 6.45 Uhr bekomme ich mein Frühstück in mein Zimmer gestellt. Brot mit Rührei, Spiegelei, gekochtem Eis, angebratenen oder rohem Gemüse und dazu Schwarztee.
Um 7 Uhr laufe ich dann zur Arbeit. Ein Weg dauert 25 min, aber das Interesse an mir ist riesig und somit kann es auch mal länger dauern. Weiße Menschen werden in Ghana Obruni genannt und überall wo ich auftauche höre ich die Leute Obruni sagen.
Viele Leute kennen mich nun von meiner Gastfamilie, oder wollen mich kennen lernen. Auf jeder Wegstrecke treffe ich meistens eine fremde Person die mich liebt, die mich heiraten will, die mit mir befreundet sein will oder die mit nach Deutschland kommen will :-) Aber keine Angst, sie sind nicht aufdringlich! Im Moment macht es mir auch noch nichts aus und ich habe eher noch Spaß daran Smalltalk zu halten. Die kleinen Kinder kommen zu mir und wollen mir die Hand schütteln- die sind wirklich goldig.

Nach meiner Arbeit genieße ich erstmal in PCC eine richtige (natürlich kalte) Dusche, denn nur eine Eimerdusche befriedigt mich doch nicht so ganz....
Um ca. 17.45 Uhr bin ich zuhause und bekomme erstmal mein Essen. Entweder esse ich alleine in meinem Zimmer, oder im Innenhof. Das war am Anfang schon sehr gewöhnungsbedürftig und manchmal vermisse ich es auch mit allen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu essen. Nicht nur ich esse alleine, sondern alle anderen auch, obwohl sie das Essen zusammen zubereiten. Bis jetzt kam ich erst einmal in den Genuss mit Sister Mavis und Sister Theresa zusammen zu essen (und dann natürlich gleich alle mit den Händen aus einem Topf :-)).

Nach dem Essen unterhalte ich mich mit meiner Familie oder Sister Theresa, spiele etwas mit Sister Ja, besuche mit Sister Mavis Freunde und Verwandte von ihr oder begleite meine Gastmutter zu ihren Kirchentreffen. Auch hier ist das Interesse an mir groß und ich begrüße jeden persönlich und schüttel tausende Hände. In dem Raum von Sister Mavis gibt es sogar einen Fernseher und somit gucken wir manchmal TV.
Mein Gasthaus ist sehr gläubig. Alle gehen jeden Sonntag zur Kirche und unter der Woche zu Kirchentreffen. In der Bibel lesen sie auch manchmal.

Wenn ich den Abend im Haus verbringe, dann gehe ich meistens gegen 20 Uhr in mein Zimmer, lese, schreibe Tagebuch oder höre Musik. Schlafen gehe ich früh, denn ab aller spätestens 5 Uhr beginnt das Leben (auch am Wochenende)......
Gestern wurde im Nachbarhaus ab 4 Uhr in der Früh so laut Musik gehört, dass ganz Nkoranza zuhören konnte. Ab 5 Uhr kehrt immer jemand den Hof, schrubbt die „Dusche“ oder wäscht Wäsche. Alles in einer für mich ungewöhnlich lauten Lautstärke und die Wände an den Häusern sind natürlich nicht isoliert..... Na dann mal gute Nacht ;-)

Noch was allgemeines: In Ghana ist es üblich, dass man jeden aus Respekt mit Brother oder Sister anspricht und dahinter den Namen der Person setzt. Somit habe ich auch unendlich viele Brothers und Sisters. Im Gespräch ist es dann nicht immer klar, ob nun von leiblichen Geschwistern die Rede ist, oder halt nur von Freuden, der Tante oder sonst wem....

Das ich im Moment in der Gastfamilie lebe habe ich mir selber so ausgesucht und ich kann auch frei bestimmen, wie lange ich dort wohnen möchte. Bis jetzt habe ich erstmal für einen Monat bezahlt, aber ich bin mir sicher, dass ich auf jeden Fall noch einen 2. Monat dort leben möchte. So habe ich die Chance einen größeren Einblick in die Kultur und die Lebensweise zu bekommen. Auch wird mein Twi von Tag zu Tag etwas besser.

Liebe Grüße eure Ina

1 Kommentar:

  1. Hallo Ina, hört sich ja alles sehr interessant an! Pass gut auf dich auf und hab noch viel Spass

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