Leider muss euch zum 2. mal eine nicht so schöne Geldgeschichte mitteilen.
Letzen Mittwoch kam Mr. Buffo zu mir und Anja und bat um ein Gespräch. Er teilte uns mit, dass er von unsern Gastfamilien schon mehrere Anrufe bezüglich des Geldes, was wir an die Familien pro Monat zahlen, bekommen hat. Er meinte, dass die von uns gezahlten 200 Cedis im Monat zu wenig wären und die Familien jetzt 250 Cedis haben wollen. Er sagte, dass alle anderen Freiwilligen immer 250 Cedis gezahlt hätten (so auch Lena). Wir haben ihm erklärt, dass wir 250 Cedis von unsere Organisation in Deutschland bekommen, der Gastfamilie 200 Cedis geben und die übrigen 50 Cedis benötigen, um uns Mittagessen und Wasser auf der Arbeit zu kaufen, denn in den Familien bekommen wir Frühstück und Abendessen. Wenn wir 250 Cedis geben würden, dann müssten wir Mittagessen und Getränke aus unserer eigenen Tasche zahlen. Mr. Buffo meinte, dass wenn wir das Geld nicht zahlen würden, dann könnten wir auch nicht länger in den Gastfamilien wohnen. Ich fragte ihn, ob ich denn nun rückwirkend die 150 Cedis für 3 Monate zahlen müsste, aber er verneinte zum Glück. Das wäre ja auch noch schöner....
Dann fragte ich noch, warum sie denn nun mehr Geld haben wollen und ob er uns vorrechnen könnte, wofür unser Geld „draufgeht“. Er meinte, dass 50 Cedis als „Lohn“ an die Familien für ihre Bemühungen gehen, 12 Cedis Raummiete, 5 Cedis für das verbrauchte Gas/ Grillkohl und 5 Cedis für Strom und Elektrizität. Nach dieser Rechnung bleiben noch 128 Cedis für Essen und Wasser übrig. Und laut Mr. Buffo reicht das den Familien nicht aus um zu kochen. Wir sagten Mr. Bufffo, dass wir darüber nachdenken, aber zu 99% nur 200 Cedis pro Monat zahlen und dann hat er uns verlassen. Anja und ich waren geschockt. Wir können uns nicht erklären, warum das Thema jetzt auf den Tisch kommt. Ich lebe schon 3 Monate in der Gastfamilie und wenn es wirklich zu wenig Geld ist, dann wäre es ihnen ja wohl schon nach dem ersten Monat aufgefallen oder nicht?!? Und Anja war vor dem Gespräch erst den 2. Tag in der Gastfamilie und sie wissen jetzt schon, das es zu wenig ist?!?
Zudem lebe ich nun 4 Monate in Ghana und kenne mich doch etwas mit den Lebensmittelpreisen aus und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass 128 Cedis für Frühstück, Abendessen und Wasser nicht rechen sollen! Zum Frühstück bekomme ich Brot mit Omelett, dass ich genauso an der Straße für 0,80 Cedis kaufen kann und wenn ich Abends z.B. Fufu bekomme, dann kostet das in der Kantine 1,50 Cedis. Dann trinke ich morgens einen Tee und Abends 2 Beutel Wasser für 0,15 Cedis. Das macht 2,45 pro Tag. Rechnet man etwas mehr, dann sind es 3 Cedis pro Tag und im Monat macht das ca. 90 Cedis. Also bleiben nach dieser Rechnung von den 128 Cedis noch 38 Cedis übrig. Und sie wollen noch mal 50 Cedis mehr- das ist doch wahnsinnig oder? Außerdem bin ich oft an den Wochenenden überhaupt nicht in Nkoranza.
Anja und ich waren so erschüttert, enttäuscht und fassungslos.
Wir waren uns beide nicht sicher, ob das ganze wirklich von den Gastfamilien ausgeht, oder ob Mr. Buffo falsche Versprechungen gegenüber den Familien im Vorfeld gemacht hat, denn ich weiß, dass er meiner Familie bevor ich überhaupt dort gewohnt habe, oder er mit mir gesprochen hat, ihnen gesagt hat, dass es 250 Ceids pro Monat sind. Wir haben uns überlegt, dass wir noch am selben Abend mit unsern Familien persönlich über die ganze Sache sprechen wollen.
Den ganze Tag hat mich dieses Thema beschäftigt und ich habe 3 Kollegen von PCC gefragt, was sie glauben, wie viel Geld man denn so in der Woche oder am Tag für Lebensmittel ausgibt, ohne ihnen die Situation zu schildern. Sie sagen, dass es ca. 3 Cedis pro Tag sind, oder ca. 20 Cedis die Woche- also gerade mal 80- 90 Cedis pro Monat....
Also ich dann abends nach Hause gekommen bin, habe ich zum Glück Anti Margret kurz alleine sprechen können. Ich habe ihr gesagt, dass Mr. Buffo Anja und mich heute darüber informiert hat, dass sich angeblich die Gastfamilien bei ihm gemeldet hätten, um ihm mitzuteilen, dass 200 Cedis nicht ausreichen würden und das ab jetzt doch 250 Cedis gezahlt werden sollen. Margret hat mich daraufhin nur angeguckt und ich habe dann beschlossen weiter zu reden. Ich sagte ihr, dass wir mit unserer Organisation gesprochen haben, aber sie nur 200 Cedis pro Monat zahlen werden. Sie meinte: „Das hat Mr. Buffo gesagt?“ Worauf ich nickte und dann sagte sie, dass sie das mit Mr. Buffo besprechen würde und lies mich dann einfach so da stehen.
Ha was war dass denn bitte? Wirklich typisch ghanaisch. Sie wollen irgendwie immer alles mit den höheren Personen besprechen und nicht mit mir, der „24 jährigen, jungen Frau“, die die eigentlich leidtragende in der Situation ist. Somit war ich nach dem Gespräch auch nicht schlauer als vorher. Die nächsten Tage vergingen und niemand hat noch mal mir über das Thema gesprochen.
Am Samstag morgen waren dann Theresa und Steven Kwaku in meinem Zimmer (mit beiden habe ich sehr guten Kontakt). Theresa meinte dann einfach so, ob ich nun die 250 Cedis zahlen würde. Ich fragte sie, woher sie das weiß und sie sagte, dass Mr. Buffo vor 2 Wochen hier im Haus war. Ich erklärte ihr die Situation und das ich nur 200 Cedis zahlen könnte. Erfreulich Weise sagte sie dann auch, dass 250 Cedis in ihren Augen auch zu viel wären und 200 Cedis ausreichen würden. Ich berichtete ihr noch von dem Gaspräch mit Anti Margret und das ich nun in der Luft hängen würde und gerne mit ihr heute oder am Sonntag noch mal über diese Thema sprechen will. Ich sagte den beiden noch, dass ich sehr gerne einen Monat länger hier wohnen wollen würde und beide haben mich umarmt und gesagt, dass sie das auch wollen und ich mir mal keine Soragen machen soll. Dann sind sie gegangen und ich war ziemlich aufgewühlt. 5 Mintuten später kam Anti Margret in mein Zimmer und begann damit: „Please don`t cry.“ Genau damit hat sie in schwarze getroffen und die ersten Tränen liefen mir übers Gesicht. Sie sagte, dass ich ihr die 200 Cedis zahlen soll und ich weiterhin bei ihnen wohnen bleiben kann. Mir viel ein riesen großer Stein vom Herzen und ich war total erleichtert. Dann liefen mir noch ein paar mehr Tränen über die Wange und wir umarmten uns. Dann kamen noch Kwaku und Theresa in mein Zimmer und auch sie waren überglücklich.
Die einzige Bedingung, die ich noch eingehen musste war dies: Wenn Mr. Buffo mich fargt, wie viel ich denn jetzt zahle, dann soll ich 250 Cedis sagen und Anti Margret erzählt ihm das selbe. Ich denke, sie will das ich ihm das sage, damit sie bei dem nächsten Freiwilligen von Anfang an wieder 250 Cedis bekommen.... Sie wollen halt doch so viel „rausschlagen“ wie eben möglich.
Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich noch einen Monat hier wohnen kann und sie mich nicht wegen des Geldes „rausschmeißen“.
Ach ja: Anja konnte mit ihrer Gastmutter, die im übrigen Mamea ist, erst vorgestern (Montag) sprechen, da sie die ganze Zeit über auswärts auf einer Beerdigung war. Mit Mamea hatte ich, wenn ihr euch erinnert die Auseinandersetzung wegen der Gastfamilie. Anja ist dorthin gezogen, da es laut Mr. Buffo nur diese 2 Gastfamilien in Nkoranza gibt. Nach dem Gespräch ist sich Anja fast sicher, dass dieses ganze Drama von ihrer Familie, bzw. dem Landlord ausgeht. Mamea ist die Tochter des Landlords und er wird nun entscheiden, ob Anja auch für 200 Cedis dort leben kann. Hätte mir ja fast denke können, dass es von dieser „Schlange“ ausgeht......
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